Schornsteinfegermeister
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(Abschrift!)

 

Unsere Heimat

Blätter zur Pflege der Heimatliebe, der Heimatforschung

und des Heimatschutzes

(Beilage zum Riesaer Tageblatt)

 

Ausgabe Nr. 26 vom 8. Juni 1929

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Artikel:                                          „Aus der Zeit des ersten Bezirks-

Schornsteinfegermeisters zu Riesa.“

von Johannes Thomas, Riesa.

 

Vor 70 Jahren, unter dem 18. März 1859, ernannte das damals im neunten Jahr seines hiesigen Bestehens befindliche königliche Gerichtsamt Riesa, mit dessen Leitung seiner Zeit Herr Amtmann von Carlowitz betraut war, den Schornsteinfegermeister Johann Gottlieb Oehmichen in Riesa zum „Bezirks-Oessenkehrer in dem Schornsteinfegerbezirke des Gerichtsamtes Riesa“. Zugleich mit dieser Ernennung gab die erwähnte Behörde eine „Instruktion für den Bezirksfeuerössenkehrer“ heraus, die dem neuen Bezirksmeister genaue Anordnungen über seine Pflichten und Rechte erteilte.

 

Zum Kehrbezirk des ehemaligen Gerichtsamtes gehörten folgende Ortschaften:

 

Das Rittergut Jahnishausen mit den dazugehörigen Vorwerken, ferner die Dörfer Bloßwitz, Bobersen, Böhlen, Forberge, Glaubitz, Gostewitz, Gröba, Grödel, Groptitz, Grubnitz, Jahnishausen, Kalbitz, Kobeln, Langenberg, Lessa, Mautitz, Mehltheuer, Merzdorf, Nickritz, Nünchritz, Oberreußen, Oelsitz, Pahrenz, Panitz, Pausitz, Plotitz, Pochra, Prausitz, Promnitz, Radewitz, Ragewitz, Röderau, Sageritz, Seerhausen, Stösitz, Zeithain, Zschaiten.

 

Der Instruktion gemäß war der Meister angehalten, Schornsteine, in denen keine Zug- und Windessen eingerichtet waren, wenigstens viermal jährlich zu kehren; die Rauchfänge in solchen Betrieben, in denen stark gefeuert wurde, wie Bäckereien, Brau- und Darrhäuser mußten während deren Betriebszeit mindestens aller sechs Wochen gereinigt werden. Dabei mußte der Kehrmeister auf alle Schäden in den Rauchabzügen achten. Traf er Schäden vor, so mußte er unverzüglich. bei Vermeidung von 5 Talern Strafe, dem betreffenden Hauseigentümer wie auch dem Ortsrichter Meldung davon erstatten. Letzter hatte dann für Beseitigung der Schäden, bezw. Abstellung etwa gerügter Mängel Sorge zu tragen. Waren solche gemeldeten Mängel oder Beschädigungen an den Schornsteinen beim nächsten Dienstgange des Kehrmeisters noch nicht beseitigt, so mußte dieser die vorgesetzte Polizeiobrigkeit davon verständigen. Mit besonders wachsamem Auge hatte der Kehrmeister auch die Feuerlöschgeräte in den Gebäuden der Ortschaften seines Bezirks zu betrachten; etwaige Defekte waren gleichfalls dem Ortsrichter anzuzeigen. Entstand innerhalb seines Bezirks ein Schadenfeuer, so war der Kehrmeister genötigt, auf schnellstem Wege nach der Brandstelle zu eilen, oder einen zuverlässigen Gehilfen dorthin zu senden.

 

Für die Vornahme des Kehrens in den Dörfern galt ein fester Plan, der uns wie folgt erhalten ist:

 

In den Dörfern Zschaiten, Nünchritz, Grödel, Zeithain, Lessa, Bobersen, Glaubitz, Sageritz, Radewitz, Langenberg, Röderau und Promnitz mußte im Januar zum ersten Male, im März zum zweiten, im Juli zum dritten und im November zum vierten Male gekehrt werden; in den Dörfern Forberge, Oberreußen, Gröba, Merzdorf, Pochra, Pausitz, Oelsitz, Kalbitz, Seerhausen, Groptitz, Mautitz wurden die Reinigungen im Februar, Mai, September und Dezember ausgeführt; in den Dörfern Bloßwitz, Ragewitz, Grubnitz, Stösitz, Plotitz, Panitz, Jahnishausen, Gostewitz, Prausitz, Kobeln, Pahrenz und Mehltheuer erfolgte das Kehren im Februar, Mai, Oktober und Dezember.

Der Kehrmeister war verpflichtet, dem Ortsrichter des betreffenden Dorfes rechtzeitig den Tag seiner Anwesenheit zur Vornahme des Reinigens der Schornsteine bekannt zu geben. Die Ortsrichter wiederum setzten die Dorfbewohner  davon durch öffentlichen Anschlag in der Dorfschänke in Kenntnis.

 

Die Gebührenordnung des Bezirkskehrmeisters war folgendermaßen festgesetzt:

Für jede Reinigung einer Esse in einem Hause, welches nur ein Erdgeschoß enthielt, bekam der Meister von dem Hauseigentümer 6 Pfennige; mündeten mehrere Feuerungen in den Schornstein, erhielt er 8 Pfennige. In Häusern mit einem Stockwerk galten die Sätze für je eine Esse bezw. mehrere Feuerungen in einer Esse: 1 Neugroschen, bezw. 1 Neugroschen 2 Pfennige; in einem zwei-stöckigen Hause durfte der Kehrmeister für das jedesmalige Reinigen eines Schornsteins 1 Neugroschen 5 Pfennige fordern.

In den Eingangs erwähnten Betrieben, in denen besonders stark gefeuert wurde, war der Meister 2 Neugroschen 5 Pfennige für jede einzelne Reinigung zu fordern berechtigt. Auch waren ihm allerseits seine Gebührnisse sofort nach beendeter Arbeitsleistung zu verabfolgen.

 

Wurden dem Kehrmeister seitens der nicht im Gerichtsbezirke liegenden Rittergüter Aufträge zur Reinigung der Schornsteine in den Gutsgebäuden übertragen, so durfte er solche annehmen und ausführen; wegen seiner Entlohnung hatte er sich vorher mit dem betr. Besitzer zu vergleichen, eine besondere Norm gab es hierfür nicht.

 

Der Bezirksschornsteinfegermeister, oder wie er damals hieß, der „Bezirksfeuerössenkehrer“, hatte allenthalben den Bestimmungen der Dorffeuerordnung des Jahres 1775 nachzugehen, die vor 70 Jahren noch Geltung hatte; außerdem wurde von ihm ein nüchterner und sittlicher Lebenswandel gefordert, wie er ebenfalls strenge Aufsicht über seine Gehilfen zu führen hatte.

 

Im Falle, daß ihm in irgendeinem Hause die Vornahme des Kehrens verweigert, oder aber auch die Auszahlung seines gerechten Lohnes unterlassen wurde, war der Kehrmeister angewiesen, hierüber Anzeige und Beschwerde beim Riesaer Gerichtsamt anzubringen; eigenmächtiges Eingreifen war ihm untersagt.

 

Mit der Regelung der Kündigungsfristen, beiderseits, durch Behörde und Meister, auf ein Vierteljahr festgesetzt, schloß die Instruktion für die heute unentbehrliche Amtsperson des Bezirksschornsteinfegermeisters.

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